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\begin{document}
\begin{titlepage}
  \begin{center}
    {\large Max-Born-Gymnasium} \\
    \vspace{2cm}
    {\large Facharbeit im Leistungskurs Mathematik}\\[0.6cm]
    über das Thema \\[0.6cm]
    \textsf{\textbf{{\Large Sicherheit im WLAN -- Mathematische Hintergründe}}} \\[0.6cm]
    von \\[0.6cm]
    {\large Sebastian Wiesner} \\
  \end{center}
  \vspace{1cm}
  \begin{tabbing}
    \hspace{6.5cm} \= \kill
    Kursleiter: \>Herr Riedl \\[1cm]
    Abgabetermin: \>\rule{6cm}{0.5pt} \\[1cm]
    Punkte: \>\rule{6cm}{0.5pt} \\[5mm]
    Punkte eingetragen am: \>\rule{6cm}{0.5pt} \\[1cm]
    Zurückgegeben am: \>\rule{6cm}{0.5pt} \\[5mm]
    Dem Direktorat vorgelegt am: \>\rule{6cm}{0.5pt} \\[1cm]
  \end{tabbing}
  \vspace{1cm}
  \begin{flushright}
    \rule{6cm}{0.5pt} \\
    \mbox{{\small Unterschrift des Kursleiters} \qquad} \\
  \end{flushright}
\end{titlepage}

\tableofcontents{}
\listoffigures{}
\newpage

\newtheorem{definition}{Definition}[section]
\newtheorem{eigenschaft}{Eigenschaft}

\section{Einführung}

\begin{center}
  \begin{minipage}[h]{7cm}
    \emph{"`Sicher ist, dass nichts sicher ist"'}
    \begin{flushright}
      \emph{Karl Valentin}
    \end{flushright}
  \end{minipage}  
\end{center}

Dieser Spruch des bayrischen Komikers Karl Valentin gilt auch Zeitalter von
DSL und Multimedia unverändert. Dennoch ist heute ein hohes Maß an
Sicherheit erforderlich, zumal die Vernetzung nicht nur im globalen Maßstab,
sondern auch im kleinen privaten Rahmen stetig zunimmt. Viele besitzen
nicht nur einen Computer, sondern neben dem normalen Bürorechner auch noch
ein Laptop oder einen Multimedia-PC fürs Wohnzimmer. Da stellt sich schnell
die Frage nach dem Verbinden dieser Rechner zwecks gemeinsamem
Internetzugang und Datenaustausch. Das Verlegen von Kabeln im Eigenheim oder
in der Mietwohnung ist nicht jedermanns Sache und auch nicht immer möglich.
Moderne Technik bietet hier eine Lösung: Netzwerke werden als sogenannte
\emph{WLANs} schnell und ohne das Verlegen von Kabeln eingerichtet. Den
wenigsten Nutzern sind jedoch die Sicherheitsrisiken dieser Technik bewusst.
Ein kabelgebundenes Netzwerk ist einfach zu kontrollieren, sind
entsprechende Anschlusspunkte doch in der Regel gut geschützt durch die
sprichwörtlichen "`eigenen vier Wände"'.

Anders sieht es jedoch bei drahtlosen Netzwerken aus: Aufgrund der
Eigenschaften von Funkwellen kann sich grundsätzlich jeder mit dem Netzwerk
verbinden. Das ist im besten Falle unerwünscht, etwa wenn der Nachbar den
eignen Internetzugang mitbenutzt. Im schlimmsten Fall jedoch kann sorgloser
Umgang mit der Technik sogar strafrechtliche Relevanz besitzen, etwa wenn
ein Unbekannter den eigenen Internetzugang zum illegalen Herunterladen
urheberrechtlicher geschützter Musik verwendet \cite{wlan_folgen}.

\nocite{ertel03:_angew_krypt}Unverständlicherweise wird dieser Aspekt von
potentiell Betroffenen allzu oft ausgeblendet. Dabei ist die Vermeidung
derartiger Risiken relativ einfach, verlangt allerdings zumindest ein
grundsätzliches Verständis der entsprechenden Sicherheitstechnologien. Deren
Grundlagen sind die Wissenschaften der Kryptographie und der Kryptanalyse,
also der Lehre von der Verschlüsselung von Daten beziehungsweise vom Brechen
von Verschlüsselungen. Da heutzutage beide Wissenschaften eng miteinander
verwoben sind, spricht man oft auch von der Kryptologie als Vereinigung der
beiden Gebiete.

In dieser Arbeit werden zunächst die mathematischen Hintergründe der
Kryptologie erläutert. Darauf aufbauend werden dann die aktuellen
Technologien zum Schutz von drahtlosen Netzwerken untersucht.

\section{Theoretische Hintergründe}
\label{sec:theoret_hintergründe}

\subsection{Nachrichten}
\label{sec:nachrichten}

\nocite{schneier96:_angew_krypt}

Um ein Verständnis für die Kryptologie zu entwickeln, gilt es sich zunächst
den Gegenstand der Verschlüsselung anzusehen: die \textbf{Nachricht}. Eine
Nachricht ist prinzipiell jede Art der Kommunikation zwischen zwei oder mehr
Personen oder Institutionen. In der Kryptographie bezeichnet man eine
unverschlüsselte Nachricht als \textbf{Klartext} (\textit{engl. plaintext})
$M$. In diesem Zustand versandt, ist die Nachricht für jede beliebige Person
lesbar. Dies ist jedoch oftmals nicht erwünscht, wenn sie persönliche oder
gar sicherheitsrelevante Informationen beinhaltet, welche nur einem
bestimmten Empfängerkreis zugänglich sein sollten.

Dies zu ermöglichen, ist das Ziel der Kryptographie.  Dazu wird der Klartext
mittels mathematischer Funktionen, sogenannter Algorithmen (vgl. Abschnitt
\ref{sec:algorithmen}), in den \textbf{Geheimtext} oder
\textbf{Chriffretext} (\textit{engl.  ciphertext}) $C$ umwandelt, der nun
nicht mehr lesbar ist.

Sowohl Klartext als auch Chiffretext sind Abfolgen von Zeichen. Man
bezeichnet sie daher als \textbf{Zeichenketten}. Die Menge aller Zeichen,
die in diesen Zeichenketten vorkommen, ist das \textbf{Alphabet} $A$. Die
Anzahl aller Zeichen in diesem Alphabet nennt man die Mächtigkeit $n = |A|$.
Der Text "`abcde"' ist zum Beispiel eine Zeichenkette über dem Alphabet $A =
\{a, b, c, d, e\}$ mit der Mächtigkeit $n = 5$. Die Länge der Nachricht
selbst ist für die Verschlüsselung allerdings nicht relevant.

Im Bezug auf die Technik, die das Thema dieser Arbeit bildet, sind
Nachrichten jedoch keine normalen, aus Buchstaben bestehenden Texte, sondern
binäre Datenpakete, welche über das drahtlose Netzwerk verschickt werden.
Diese Nachrichten werden folglich über dem binären Alphabet $A = \{0, 1\}$
gebildet, welches die Mächtigkeit $n = 2$ besitzt. Im binären Alphabet
werden Zeichen überlicherweise als \textbf{Bit} bezeichnet, wobei jeweils 8
Bit zu einem \textbf{Byte} zusammengefasst werden, da Computer nicht auf
einzelnen Zeichen operieren können. Die einzelnen Zeichen eines Bytes werden
dann als duale Zahl interpretiert. Ein Byte kann folglich Werte zwischen 0
(Dualzahl $00000000$) und 255 (Dualzahl $11111111$) annehmen.

\subsection{Algorithmen}
\label{sec:algorithmen}
Um nun aus dem Klartext einen Chiffretext zu erhalten, d.h. die Nachricht zu
verschlüsseln (\textit{engl. to encrypt}), bedient man sich, wie bereits
gesagt, eines \textbf{Algorithmus}. Ein zur Verschlüsselung verwendeter
Algorithmus erhält die Bezeichnung \textbf{Chiffre} $E$.  Um den Chiffretext
in den Klartext zu entschlüsseln (\emph{engl. to decrypt}), wird
anschließend die Dechiffrierfunktion $D$ verwendet.  Es gilt also $C = E(M)$
und $M = D(C)$. Daraus folgt:
\begin{equation}
  \label{eq:eing_algo}
  D(E(M)) = M
\end{equation}

Diese Gleichungen sind nur lösbar, wenn $D$ die Umkehrfunktion von $E$ ist.
Deswegen sollte zur Verschlüsselung nur eine umkehrbare Funktion verwendet
werden. Andernfalls wäre die Entschlüsselung eines Chiffretextes nicht mehr
durchführbar.

\subsubsection{Eingeschränkte Algorithmen}
\label{sec:eingschr_algo}

Nach Gleichung \ref{eq:eing_algo} erhält der Algorithmus nur einen einzigen
Parameter, nämlich den Klartext. Dies bedeutet, dass jede Person, die im
Besitz des Algorithmus ist, Chiffretext entschlüsseln kann.

\begin{definition}
  \label{de:eingeschränkt}
  Ein Algorithmus heißt \textbf{eingeschränkt}, wenn die Sicherheit von der
  Geheimhaltung des Algorithmus abhängt.
\end{definition}

Daraus ergeben sich drei grundsätzliche Probleme:
\begin{enumerate}
\item Ändert sich die Gruppe der Nutzer eines Algorithmus, müsste zur
  Gewährleistung der Sicherheit der Algorithmus geändert werden. Die
  Entwicklung eines neuen Algorithmus ist in der Praxis aber sehr aufwändig.
\item Ist in einer handelsüblichen kryptographischen Software ein
  Algorithmus in den Quellcode integriert, so kann der Algorithmus jederzeit
  aus dem Quellcode abgeleitet werden. Insofern erweckt eine solche Software
  lediglich den Anschein von Sicherheit, ohne dass das eigentliche Problem
  (die Offenlegung des Algorithmus) damit gelöst ist.
\item Da die Offenlegung eines eingeschränkten Algorithmus seiner Funktion
  grundsätzlich entgegensteht, kann er auch nicht durch die eine größere
  kryptologische Gemeinschaft hinsichtlich seiner Sicherheit überprüft
  werden.
\end{enumerate}

Eine Lösung für diese Probleme wäre die Einführung eines zusätzlichen
Parameters, des \textbf{Schlüssels} in Gleichung \ref{eq:eing_algo}.

\subsubsection{Algorithmen mit Schlüssel}
Fügt man der Gleichung \ref{eq:eing_algo} einen Schlüssel hinzu, so gilt $C
= E_{k}(M)$ und $M = D_{k}(C)$. Daraus folgt:
\begin{equation}
  \label{eq:key_algo}
  D_{k}(E_{k}(M)) = M
\end{equation}

Algorithmen, die den selben Schlüssel sowohl zur Ver- als auch zur
Entschlüsselung verwenden, heißen \textbf{symmetrische Algorithmen}. Solche,
die zwei verschiedene Schlüssel $K_{1}$ und $K_{2}$ zur Ver- und
Entschlüsselung verwenden, nennt man \textbf{asymmetrische Algorithmen}. Für
die Betrachtung von drahtlosen Netzwerken ist nur die erste Art von
Bedeutung, da die im Rahmen dieser Arbeit behandelten Techniken
ausschließlich auf symmetrischen Algorithmen aufbauen.

Ein Schlüssel ist, wie auch Klar- und Chiffretext, eine Zeichenkette über
einem bestimmten Alphabet, wobei dieses Alphabet nicht gleich dem
Alphabet von Klar- oder Chiffretext sein muss.  Bei der Verschlüsselung
kabelloser Netzwerke wird der Schlüssel allerdings genau wie Klar-
und Chiffretext über dem binären Alphabet gebildet.

Im Gegensatz zu den Nachrichten ist die Länge des Schlüssels wichtig für die
Verschlüsselung, da die Komplexität einer Verschlüsselung mit der Länge der
Schlüssel steigt. Dadurch ist für das Brechen der Verschlüsselung ein
höherer Aufwand erforderlich. Heutzutage werden binäre Schlüssel für
symmetrische Algorithmen üblicherweise in einer Länge zwischen 128 und 256
Bit verwendet.  Die Länge bei asymmetrischen Algorithmen liegt in der Regel
zwischen 1024 und 2048 Bit.

Durch die Verwendung eines Schlüssels werden die ersten zwei der in
Abschnitt \ref{sec:eingschr_algo} erwähnten Probleme erfolgreich beseitigt:
\begin{enumerate}
\item Ändert sich die Gruppe der Nutzer, so muss nur der Schlüs\-sel
  geändert werden. Dies ist wesentlich weniger aufwändig und erheblich
  sicherer als das Ändern des Algorithmus.
\item Die Offenlegung eines Algorithmus durch die Integration in eine
  Software ist nun möglich, da die Sicherheit nur vom Schlüssel abhängt.
\end{enumerate}

Der notwendige Schritt zur Beseitgung des dritten Problems wird jedoch
oftmals nicht getan. Viele Firmen, die kryptographische Algorithmen
entwickeln, vertrauen noch immer auf das Prinzip \textbf{"`security by
  obscurity"'}. Dabei wird ein Algorithmus nicht veröffentlicht, sondern
bleibt geheim.

Dies hat zum Teil katastrophale Folgen für die Sicherheit. Anerkannte
Kryptologen haben keine Gelegenheit, diese Algorithmen genauestens zu
überprüfen. Deswegen existieren keine verlässlichen Aussagen über die
Sicherheit eines solche Algorithmus. Fehler im Design bleiben möglicherweise
lange unentdeckt. Wird dieser Algorithmus dann trotzdem Teil einer weit
verbreiteten Anwendung oder Geräts (z.B. eines WLAN-Routers), so gefährdet
eine einzige Sicherheitslücke die Daten aller Anwender.

\subsubsection{Starke Kryptographie}

\nocite{schneier:_secrec_secur_obscur}

Idealerweise sollte die Sicherheit einer verschlüsselten Nachricht
ausschließlich von der Geheimhaltung des Schlüssels abhängen.  Diese
Forderung wurde bereits im 19. Jahrhundert vom holländischen Kryptographen
Auguste Kerckhoffs \cite{augus_kerck} aufgestellt und gilt noch heute unter
dem Namen Kerckhoffs' Prinzip \cite{kerck_prinz} als eines der grundlegenden
Theoreme der Kryptographie.

\begin{definition}
  Das Prinzip von Kerckhoffs besagt, dass die Sicherheit eines
  Verschlüsselungsverfahrens nur von der Geheimhaltung des Schlüssels
  abhängen darf, nicht jedoch von der Geheimhaltung des
  Algorithmus. \cite[Seite 19]{ertel03:_angew_krypt}
\end{definition}

Dieses Prinzip führte zu einem offenen Modell bei der Entwicklung neuer
Algorithmen, welches besonders beim Wettbewerb um die Entwicklung des AES
(Advanced Encryption Standard) Algorithmus \cite{overv_aes_devel_effor} zu
sehen war.

Bei diesem Modell werden Algorithmen schon während ihrer Entwicklung
möglichst frühzeitig offengelegt. Dadurch wird Kryptologen überall auf der
Welt die Analyse dieses Algorithmus ermöglicht. Finden selbst anerkannte
Kryptologen über einen längeren Zeitraum hinweg keine Schwachstellen, so ist
davon auszugehen, dass ein Algorithmus im praktischen Einsatz ein großes Maß
an Sicherheit bietet. Auf der anderen Seite werden mögliche Schwachstellen
wiederrum frühzeitig erkannt und publiziert, so dass ein unsicherer
Algorithmus idealerweise gar nicht erst von einer breiten Anwenderschaft
genutzt wird.

Algorithmen, die nach diesem Modell entwickelt wurden und Kerckhoffs'
Prinzip erfüllen, bezeichnet man als \textbf{starke Kryptographie}. Hier ist
der Mensch als Besitzer des Schlüssels die größte Schwachstelle, auf die
sich in der Praxis die meisten Angriffe konzentrieren (vgl. Abschnitt
\ref{sec:angriffe}).

Damit wäre auch das dritte der in Abschnitt \ref{sec:eingschr_algo}
aufgezeigten Probleme beseitigt. Die starke Kryptographie bietet dem
Anwender nicht nur den ungehinderten Zugang zu hochwertigen und sicheren
Algorithmen, sie ermöglicht ihm auch eine realistische Einschätzung des
Gefahrenpotentials. Zeigt ein Algorithmus eine Schwachstelle, erfährt der
Anwender dies meistens noch vor dem böswilligen Angreifer und hat somit die
Chance, rechtzeitig entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, in dem er zum
Beispiel auf einen anderen öffentlich verfügbaren Algorithmus der starken
Kryptographie umsteigt.

\subsection{Kryptosysteme}
\label{sec:kryptosysteme}
\begin{figure}[h]
  \centering
  \includegraphics[width=12cm]{../pics/Kryptosystem.png}
  \caption{Ein Kryptosystem (Sebastian Wiesner, 2007)}
  \label{fig:kryptosystem}
\end{figure}

\nocite{waetjen04:_krypt} Fügt man nun alle in den vorherigen Abschnitten
erwähnten Elemente zusammen, so erhält man ein \textbf{Kryptosystem}
(Abbildung \ref{fig:kryptosystem}\footnote{Die Namen "`Alice"' und "`Bob"'
  für die Kommunikationspartner sind Teil der kryptologischen
  Fachsprache.}), bestehend aus
\begin{itemize}
\item dem Klartext $M$,
\item dem Chiffretext $C$,
\item dem Schlüssel $K$,
\item der Chiffrierfunktion $E$
\item und der Dechiffrierfunktion $D$.
\end{itemize}

Für ein solches Kryptosystem werden zwei grund\-sätz\-liche Anforderungen
definiert \cite[Seite 3-4]{waetjen04:_krypt}:
\begin{description}
\item[Die Geheimhaltungsforderung] Dem Kryptoanalytiker darf es nicht
  möglich sein, den Klartext aus dem Chiffretext zu bestimmen. Dies leuchtet
  ein, andernfalls wäre eine Verschlüsselung ja sinnlos. Allerdings darf es
  dem Kryptoanalytiker auch nicht möglich sein, die Dechiffrierfunktion
  $D_{k}$ aus dem Chiffretext zu bestimmmen, selbst wenn ihm sogar der
  Klartext $M = D_{k}(C)$ bekannt ist. Durch diese Forderung wird
  gewährleistet, dass dem Kryptoanalytiker das Knacken der Verschlüsselung
  nicht gelingt.
\item[Die Authentizitätsanforderung] Einem Kryptoanalytiker darf es nicht
  möglich sein, die Chiffrierfunktion $E_{k}$ aus dem Chiffretext zu
  bestimmen, selbst wenn der Klartext $M$ bekannt ist. Zudem darf er keinen
  alternativen Chiffretext $C'$ finden, für den $D_{k}(C')$ einen gültigen
  Klartext über Klartext-Alphabet $A_M$ ergibt\footnote{Bei numerischen
    Daten ist dies durchaus möglich. Der böswillige Angreifer Mallory
    (ebenfalls ein kryptologischer Fachausdurck) erzeugt einen zufälligen
    Chiffretext $C'$ und schleust diesen in das System ein. Es ist nun
    äußerst unwahrscheinlich, dass Bob beim Entschlüsseln von $C'$ einen
    korrekten Satz erhält. Die Manipulation würde also sofort auffallen,
    wenn Alice und Bob über normale, (zumindest meistens) grammatikalisch
    korrekte Sätze kommunizieren. Anders sieht dies jedoch aus, wenn Alice
    und Bob beispielsweise Telefonnummern (also Zahlenfolgen) austauschen.
    Entschlüsselt Bob unter diesen Bedingungen $C'$, so erhält er in jedem
    Fall eine Abfolge von Zahlen. Er kann also nicht sofort entscheiden, ob
    die Nachricht korrekt oder manipuliert war. Dazu sind weitere
    Nachforschungen nötig.  Die Authentizitätsforderung ist also nicht
    erfüllt. Zur Vermeidung derartiger Probleme verwendet man Prüfsummen
    (vgl. Abschnitt \ref{sec:wep}).}.
  Dadurch wird verhindert, dass der Kryptoanalytiker gefälschte Klartexte in
  das Kryptosystem einschleusen kann, in dem er gezielt Chiffretexte
  erzeugt.
\end{description}

Man muss dabei beachten, dass die Forderung, weder $E_{k}$ noch $D_{k}$ aus
$C$ herleiten zu können, der Idee der starken Kryptographie nicht
widerspricht, auch wenn dies zuerst so scheinen mag. Die Anforderungen
verlangen, dass der Kryptoanalytiker allein aus dem Chiffretext $C$ keine
weiteren Informationen über das Kryptosystem ableiten kann. Dem setzt die
starke Kryptographie die Annahme entgegen, dass dem Kryptoanalytiker im
Bezug auf die verwendeten Algorithmen bereits alles bekannt ist. Ein starkes
Kryptosystem sollte trotz Veröffentlichung der Algorithmen sicher sein. Die
starke Kryptographie geht also noch einen Schritt weiter als die
theoretischen Anforderungen.

\subsection{Protokolle}
\label{sec:protokolle}

Kommunizieren zwei Menschen nur gelegentlich über verschlüsselte Nachrichten
miteinander, so reicht es ggf. aus, die einzelnen Teile des Kryptosystems
sowie die Art des Schlüsselaustausches und der Nachrichtenübermittlung
informell zu vereinbaren. Dies ist bei der Kommunikation zwischen Computern
oder größeren Gruppen nicht mehr möglich.

Stattdessen müssen die Abläufe in einer formalen Vorschrift, dem
\textbf{Protokoll}, festgehalten werden. Diese formale Vorschrift definiert,
wie sich die an der Kommunikation beteiligten Personen oder Computer
verhalten müssen. Es legt die Verfahren für den Beginn, die Durchführung und
das Ende der Kommunikation innerhalb des jeweiligen Netzwerkes fest sowie
das Verhalten bei unerwarteten Situationen oder sicherheitsrelevanten
Ereignissen.

\subsection{Kryptoanalyse}

In der Kryptoanalyse beschäftigt man sich mit dem Brechen oder Knacken von
Kryptosystemen, welches sich nach dem Grad des Erfolgs einteilen lässt
\cite[Seite 23]{ertel03:_angew_krypt}:
\begin{itemize}
\item Der Kryptoanalytiker kann nur einzelne Nachrichten lesen:
  \begin{description}
  \item[Informationsdeduktion] Der Kryptoanalytiker erlangt nur einige
    bruchstückhafte Informationen über den Klartext oder den Schlüssel.
  \item[Lokale Deduktion] Der Kryptoanalytiker hat aus einem einzigen
    Chiffretext $C$ den Klartext $M$ rekonstruiert, allerdings ohne
    wesentliche Informationen über das Kryptosystem zu erlangen.
  \end{description}
\item Der Kryptoanalytiker kann jeden beliebigen mit dem Schlüssel $K$ erzeugten
  Chiffretext $C$ entschlüsseln:
  \begin{description}
  \item[Globale Deduktion]Der Kryptoanalytiker findet eine alternative
    Funktion $D'$, so dass gilt $M = D'(E_{k}(C))$. In anderen Worten, die
    Funktion $D'$ kann für einen bestimmten Schlüssel $K$ gleichwertig zu
    $D_{k}$ den Klartext aus dem Chiffretext berechnen, allerdings ohne die
    Notwendigkeit, den Schlüssel $K$ zu kennen.
  \item[Vollständiges Aufbrechen] Der Kryptoanalytiker gelangt an den
    Schlüssel $K$, welcher jeden Chiffretext $C$ mittels $M = D_{k}(C)$
    entschlüsseln kann.
  \end{description}
\end{itemize}

\subsubsection{Angriffe}
\label{sec:angriffe}

Das Brechen von Verschlüsselungen kann auf verschiedenen Wegen erfolgen
\cite[Seite 23]{ertel03:_angew_krypt}:
\begin{description}
\item[Ciphertext-Only-Angriff] Dem Kryptoanalytiker steht nur der
  Chiffretext zur Verfügung.
\item[Known-Plaintext-Angriff] Der Kryptoanalytiker kennt zusätzlich noch
  den zum Chiffretext passenden Klartext. Dies ist in der Praxis keine
  Seltenheit, da insbesondere technische Protokolle häufig ein bestimmtes
  Datenformat festlegen. Auch bei zwischenmenschlicher Kommunikation sind
  oftmals bestimmte Floskeln gebräuchlich. Viele förmliche Schreiben
  beginnen beispielsweise mit der höflichen Anrede "`Sehr geehrte Damen und
  Herren"'.
\item[Chosen-Plaintext-Angriff] Der Kryptoanalytiker hat die Möglichkeit,
  beliebigen Klartext in das Kryptosystem einzuschleusen und den
  resultierenden Chiffretext abzufangen. Dies ist eine gebräuchliche
  Angriffsart bei vielen asymmetrischen Algorithmen, da hier in der Regel
  ein Schlüssel öffentlich verfügbar ist.
\item[Chosen-Ciphertext-Angriff] Der Kryptoanalytiker kann beliebigen
  Chiffretext vorgeben und den dazugehörigen Klartext abfangen. Kann der
  Kryptoanalytiker diesen Angriff durchführen, so ist das Kryptosystem
  bereits unsicher, da der Kryptoanalytiker jeden beliebigen Chiffretext
  entschlüsseln kann. Das Ziel bei diesem Angriff ist lediglich, den
  verwendeten Schlüssel zu erhalten. Dieser Angriff wird eher in der
  theoretischen Kryptanalyse verwendet, um neu entwickelte Algorithmen zu
  testen.
\item[Brute-Force-Angriff] $D$ wird so lange mit jedem möglichen Schlüssel
  auf den Chiffretext angewandt, bis ein sinnvolles Resultat erzielt wird.
  Dabei ist zu beachten, dass die Differenzierung zwischen sinnvollen und
  sinnlosen Resultaten mitunter schwierig ist. Diese Tatsache kann man sich
  mit folgendem Beispiel vergegenwärtigen: Ein Kryptoanalytiker versucht
  eine Botschaft zu entschlüsseln, welche in chinesischer Sprache abgefasst
  ist, obwohl er dieser Sprache nicht mächtig ist. Es wird ihm aufgrund
  seiner mangelnden Sprachkenntnisse nicht möglich sein, zwischen einen
  sinnvollen chinesischen Text und Datenmüll zu unterscheiden. Eine zweite
  Schwierigkeit ist die bereits erwähnte Länge heute üblicher Schlüssel. Ein
  Schüssel mit einer Länge von 128 Bit kann $2^{128} \approx 3 \cdot
  10^{38}$ mögliche Werte annehmen. Man muss im Mittel etwa die Hälfte aller
  Schlüssel ausprobieren, bevor man auf den richtigen stößt.  Auf einem 2,4
  Ghz Prozessor würde dies selbst unter der unrealistischen Annahme, dass
  der Prozessor die gesamte Entschlüsselung in einem einzigen Rechenschritt
  vornehmen kann, mehr als $2 \cdot 10^{20}$ Jahre dauern.  Das Universum
  selbst ist dagegen gerade einmal ungefähr $1,37 \cdot 10^{10}$ Jahre alt.
\end{description}

Gerade bei starker Kryptographie führt jedoch in der Regel keiner dieser
Angriffe zum Erfolg. Deswegen werden zum Brechen derartiger
Verschlüsselungen eher unwissenschaftliche Methoden angewandt, wie z.B.
Bestechung, Gewalt oder das sogenannte Social Engineering, bei dem man sich
das Vertrauen des Opfers erschleicht, um es direkt oder indirekt zur
Preisgabe des Geheimnisses zu bewegen. Bekannt geworden ist das Social
Engineering durch die Phishing-Mails \cite{pishing}, in denen Anwender unter
irgendwelchen Vorwänden dazu aufgefordert wurden, PINs und TANs für Online
Banking in gefälschten Webseiten einzugegeben.


\subsection{Sicherheit von Kryptosystemen}
\label{sec:sicherheit}

In den vorherigen Abschnitten dieser Arbeit wurde bereits von der Sicherheit
von Algorithmen und Kryptosystem gesprochen, ohne näher zu erläutern, was
man eigentlich darunter versteht.

In der Praxis bezeichnet man ein Kryptosystem als sicher, wenn es Angriffen,
wie sie in Abschnitt \ref{sec:angriffe} beschrieben werden, widerstehen
kann.

Die folgende Definition differenziert hier weiter \cite[Seite
24]{ertel03:_angew_krypt}:
\begin{definition}
\label{def:sicher}
 Ein Kryptosystem gilt als \textbf{sicher} oder \textbf{berechnungssicher},
 wenn
  \begin{itemize}
  \item die zum Knacken erforderlichen Investitionen den Wert der
    verschlüsselten Daten übersteigen oder
  \item die zum Knacken erforderliche Zeitspanne größer ist als die der
    erforderlichen Geheimhaltung, oder
  \item wenn der Chiffretext die zum Knacken erforderliche Länge
    unterschreitet.
  \end{itemize}
\end{definition}

In der Kryptographie gibt es noch einen weiteren Grad der Sicherheit
\cite[Seite 6]{waetjen04:_krypt}:
\begin{definition}
  \label{def:absolut_sicher}
  Sei $p(M)$ die Wahrscheinlichkeit für das Vorkommen von $M$ und $p(C)$ die
  Wahrscheinlichkeit für das Vorkommen von $C$.  $p(M|C)$ sei ferner die
  Wahrscheinlichkeit dafür, dass $M$ der zum Chiffretext $C$ gehörende
  Klartext ist, unter der Bedingung, dass $C$ abgefangen wurde. Gilt nun für
  alle möglichen $C$ und $M$ $$ p(M|C) = p(M) $$ so ist das Kryptosystem
  \textbf{absolut sicher}.
\end{definition}
Dies bedeutet, dass der mit $D_{k}(M)$ erzeugte Chiffretext vom Klartext $M$
statistisch unabhängig ist. Der Kryptoanalytiker gewinnt also aus dem
Chiffretext keine Informationen über den Klartext. Diese Art der Sicherheit
wird auch als \textbf{perfekte Geheimhaltung} bezeichnet.

\subsubsection{Das One-Time-Pad}
\label{sec:one-time-pad}
Es ist nur eine einzige Chiffre bekannt, welche Definition
\ref{def:absolut_sicher} erfüllt. Bei diesem als One-Time-Pad
\cite{one_time_pad} bekannten Algorithmus wird der Klartext $M$ mit einem
einmaligen, zufällig erzeugten Schlüssel $K$ der gleichen Länge wie der
Klartext verknüpft \cite{ertel03:_angew_krypt, schneier96:_angew_krypt}: $M
\oplus K$.

Diese Art der Verknüpfung nennt man XOR-Verknüpfung (\textit{exclusive or,
  exklusives Oder}). Im binären Alphabet entspricht sie einer Addition
zweier Zeichen, gefolgt von einer modularen Division durch 2: $(z_{1} +
z_{1})\ mod\ 2$. Es wird also die Summe der beiden Zeichen durch zwei
geteilt, wobei der Restwert dieser Division als Ergebnis genutzt wird.
Diese Verknüpfung wird für jedes einzelne Zeichen ausgeführt. Chiffren, die
zeichenweise arbeiten, nennt man \textbf{Stromchiffren}\footnote{Im
  Gegensatz dazu arbeiten \textbf{Blockchiffren} wie DES oder AES immer auf
  einem Block einer bestimmten, festgelegten Menge an Zeichen.}. Sie eignen
sich hervorragend für Netzwerke, in denen Daten möglichst schnell und
verzögerungsfrei übertragen werden sollen. Der Schlüssel wird dabei auch als
\textbf{Schlüsselstrom} bezeichnet, da er eine kontinuierliche, unendliche
Abfolge von Schlüsselzeichen darstellt (Abbildung \ref{fig:xor}).

\begin{figure}[h]
  \centering
  \includegraphics[width=12cm]{../pics/XOR.png}
  \caption{Die XOR-Verknüpfung (Sebastian Wiesner, 2007)}
  \label{fig:xor}
\end{figure}

Problematisch beim Einsatz eines One-Time-Pads ist jedoch die Voraussetzung,
dass der Schlüssel \emph{exakt} die gleiche Länge haben muss wie der
Klartext. Das bedeutet, dass bei Übertragung einer ein GB großen Datei der
Schlüsselstrom ebenfalls ein GB groß sein muss. Dies ist in der Praxis kaum
umzusetzen. 

Aus diesem Grund gehen heutige Stromchiffren einen anderen Weg. Der
Schlüsselstrom wird von einem sogenannten \textbf{Generator} erzeugt,
welcher einen kontinuierlichen Strom von \textbf{Pseudozufallszahlen}
bereitstellt. Diesen Strom erzeugt der Generator mit Hilfe einer besonderen
Eingabe, des sogenannten \textbf{Seeds}.  Dieser Seed hat eine feste Länge
von in der Regel nicht mehr als 256 Zeichen.  Bei gleichen Seeds erzeugt der
Generator auch den gleichen Schlüsselstrom, er arbeitet also
\textbf{deterministisch}. Deswegen stellt der Seed bei heutigen
Stromchiffren den eigentlichen Schlüssel dar, welcher natürlich geheim
gehalten werden muss.

Der Name "`Pseudozufallszahl"' sagt es bereits: Mit Generatoren erzeugte
Schlüsselströme sind nicht wirklich zufällig. Kennt ein Angreifer den Seed,
so kann er jedes beliebige Zeichen des Schlüsselstroms vorhersagen. Bei
schlechten (sprich unsicheren) Generatoren reicht unter Umständen sogar die
Kenntnis einer kleinen Abfolge von Zeichen aus dem Schlüsselstrom.

Das ist jedoch nicht das einzige Problem von Stromchiffren. Verwendet man
den selben Schlüsselstrom des Generators $G$ unter Verwendung des Seeds $S$
zur Verschlüsselung zweier verschiedener Nachrichten $M_1$ und $M_2$, so
gibt man damit Informationen über die Nachrichten preis
\cite{borisov01:_inter_mobil_commun}:
\begin{eqnarray}
  C_1 &=& M_1 \oplus G(S) \notag \\
  C_2 &=& M_2 \oplus G(S) \notag\\
  \label{eq:keystream_issue}
  \Rightarrow C_1 \oplus C_{2} &=& (M_1 \oplus G(S)) \oplus (M_2 \oplus G(S))
  = M_1 \oplus M_2
\end{eqnarray}
Diese Schwäche ist geradezu prädestiniert für einen Known-Plaintext-Angriff.
Kennt man eine Nachricht, so ergibt sich die zweite automatisch. Zudem gibt
es Verfahren, die Rückschlüsse auf die enthaltenen Nachrichten ermöglichen,
selbst wenn nur Teile der Nachrichten bekannt sind. Aus diesem Grund ist die
bereits erwähnte Bedingung, dass der Schlüssel nur ein einziges Mal
verwendet werden darf, durchaus ernst zu nehmen.

Moderne Stromchiffren sind folglich ebenso wie alle anderen Chiffren -- mit
Ausnahme des One-Time-Pads -- nicht nach Definition \ref{def:absolut_sicher}
absolut sicher, sondern nur berechnungssicher nach Definition
\ref{def:sicher}.

\subsubsection{Berechnungssicherheit}
\label{sec:berechnungssicherheit}

Praktisch besteht die Sicherheit solcher Chiffren in der Komplexität
bestimmter mathematischer Probleme. Bekannte Probleme sind zum Beispiel die
Zerlegung großer Zahlen ($\gtrapprox 5 \cdot 10^{119}$) in ihre Primfaktoren
\cite[Seite 72]{waetjen04:_krypt} (Basis des RSA Algorithmus) oder die
Arithmetik auf Elliptischen Kurven\footnote{Die Lösungsmenge einer
  Gleichung $y^2 = ax^3 + bx^2 + cx + d$ wird Elliptische Kurve genannt
  \cite[Seite 241]{waetjen04:_krypt}} (Basis des ElGamal Verfahrens). Solche
Probleme sind selbst für moderne Supercomputer zu komplex, um ohne Schlüssel
gelöst zu werden.

Daraus folgt jedoch automatisch, dass es absolute Sicherheit in der
Kryptologie -- mit Ausnahme des One-Time-Pads -- nicht gibt. Da sowohl die
Mathematik als auch die Computer weiterentwickelt werden, darf man erwarten,
dass zukünftig Computer die heute noch berechnungssicheren Algorithmen
knacken können. Dennoch kann man modernen Chiffren der starken Kryptographie
in der Regel vertrauen, nicht zuletzt da diese der kontinuierlichen
Überprüfung durch die Fachwelt unterworfen sind.

Bedenklich sind viel mehr solche Chiffren, die nicht nach den Prinzipien der
starken Kryptographie entwickelt wurden. Ein Beispiel dafür liefert das im
folgenden Teil vorgestellte Wired Equivalent Privacy (WEP) Protokoll, dessen
Kernbestandteil, der RC4 Algorithmus, in Geheimhaltung entwickelt wurde und
lange Zeit als Firmengeheimnis galt. Hier hatte die kryptologische Fachwelt
keinerlei Gelegenheit, den Algorithmus noch während der Entwicklung zu
überprüfen. Es handelt sich also nicht um starke Kryptographie -- mit
katastrophalen Folgen, wie sich zeigen wird.

\section{Wired Equivalent Privacy (WEP)}
\label{sec:wep}

\nocite{wired_equiv_privac, arnold04:_jenseit_wep, 99:_ieee802.11,
  unoff_sec_page, 03:_sicher_funk_lan_wlan_ieee} \emph{WEP} ist ein Standard
zur Absicherung drahtloser Netzwerke.  Er wurde im Jahr 1999 als Teil des
Standards IEEE 802.11 \cite{99:_ieee802.11} verabschiedet, welcher den
Aufbau drahtloser Netzwerke generell definiert.

\subsection{Ablaufbeschreibung}
\label{sec:wep_ablauf}

\begin{figure}[h]
  \centering
  \includegraphics[width=12cm]{../pics/WEP_block.png}
  \caption{Blockdiagramm der WEP Verschlüsselung (\cite[Seite 215]{arnold04:_jenseit_wep})}
  \label{fig:wepblock}
\end{figure}

WEP besteht eigentlich aus zwei getrennten Operationen besteht (Abbildung
\ref{fig:wepblock}):
\begin{enumerate}
\item Im linken Teil der Abbildung \ref{fig:wepblock} ist die Vorbereitung
  des Schlüssels $K$ schematisch dargestellt, der mit einem sogenannten
  Intialisierungsvektor (IV) $v$ zusammengeführt wird (Abbildung
  \ref{fig:concat}). Der IV ist dabei nichts weiter als eine beliebige
  Zeichenkette einer Länge von 24 Bit. Durch die Verwendung eines IV soll
  garantiert werden, dass einzelne Datenpakete trotz gleichen Schlüssels
  unterschiedlich verschlüsselt werden.  So soll dem bereits erwähnten
  Problem aller Stromchiffren (vgl. Gleichung \ref{eq:keystream_issue})
  begegnet werden. Da der IV allerdings zur Entschlüsselung benötigt wird,
  muss er dem Kommunikationspartner bekannt sein. Er wird deswegen der
  verschlüsselten Nachricht unverschlüsselt vorangestellt.
\item Im oberen rechten Teil der Abbildung \ref{fig:wepblock} zeigt die
  Abbildung schematisch die Vorbereitung des Klartextes, der mit einer
  Prüfsumme (\textit{cyclic redundancy code, CRC} \cite{haase:_crc}) $c(M)$
  versehen wird\footnote{Die Prüfsumme des Textes "`Hallo Welt"' wäre
    beispielsweise $01010000001010000001010001110101$.}. Durch die Berechnung
  der Prüfsumme des Klartextes kann der Empfänger später erkennen, ob der
  Klartext während der Übertragung verändert wurde. Dadurch sollen zufällige
  (beispielsweise durch Übertragungsfehler) oder beabsichtigte
  Manipulationen an der übertragenen Botschaft verhindert werden.
\end{enumerate}

\begin{figure}[h]
  \centering
  \includegraphics[width=12cm]{../pics/Concat.png}
  \caption{Konkatenation eines IVs (Länge 8 Bit) mit einem Schlüssel (Länge
    16 Bit) (Sebastian Wiesner, 2007)}
  \label{fig:concat}
\end{figure}

Die Ausgabe aus der ersten Teiloperation wird nun als Seed für den Generator
verwendet. Als Generator dient dabei der RC4 Algorithmus (vgl. Anhang
\ref{sec:rc4}), welcher nun den Schlüsselstrom liefert. Dieser Strom wird
anschließend mit der Ausgabe der zweiten Teiloperation XOR-verknüpft, um den
Chiffretext $C$ zu erzeugen. Diese Operationen lassen sich wie folgt
zusammenfassen\footnote{Der Kreis $\circ$ steht hier für eine Konkatenation.
  Dabei werden zwei Zeichenketten zu einer neuen zusammengefügt. So ergibt
  "`a"' $\circ$ "`b"' die neue Zeichenkette "`ab"'.}:
\begin{equation}
  \label{eq:wep_chiffered_frame}
  A \rightarrow B: v \circ (P \oplus RC4(v \circ K)\text{ wobei }P = M \circ c(M)
\end{equation}
Der WEP Algorithmus wird für jedes Datenpaket\footnote{Im Bezug auf
  technische Protokolle wie WEP heißt eine Nachricht \textbf{Paket}.}
getrennt durchlaufen.

\subsection{Analyse der Sicherheit}
\nocite{fluhrer01:_attac_rc4_wep} Bereits bei der Standardisierung des
Protokolls zeichnete sich eine Schwachstelle ab. WEP legte die
Schlüssellänge auf 40 Bits fest. Dies geschah allein aus dem Grund, dass zur
damaligen Zeit eine größere Länge in den USA geltende Gesetze verletzt
hätte. Diese Länge bietet aber keinen ausreichenden Schutz vor
Brute-Force-Angriffen. Die Autoren von \cite{fluhrer01:_attac_rc4_wep}
stellten fest, dass ein solcher Schlüssel in weniger als einem Tag gebrochen
werden kann. Diese Sicherheitslücke konnte nach der Aufhebung der
entsprechenden Gesetze in den USA jedoch beseitigt werden, indem die
Hersteller von WLAN-Hardware die Länge des Schlüssels auf 128 Bit
(eigentlich 104 Bit Schlüssel sowie 24 Bit IV) erhöhten\footnote{Diese
  Änderung ging jedoch nicht in den Standard IEEE 802.11 ein. Es handelt
  sich also nicht um einen offiziellen Standard, sondern um einen
  "`Gebrauchsstandard"'.}.

Viel gravierender wirken sich zwei andere Schwachstellen aus, welche die
Berechnung der Prüfsumme sowie den RC4 Algorithmus selbst betreffen. Diese
Schwachstellen sind nicht mit einfachen Erweiterungen zu beheben. Dazu waren
umfangreiche Korrekturen am Protokoll selbst notwendig, die in den
inoffiziellen Nachfolger WPA (vgl. Abschnitt \ref{sec:wpa}) eingeflossen
sind.

\subsubsection{Die Prüfsumme}
\label{sec:pruefsumme}

In \cite{borisov01:_inter_mobil_commun} wird gezeigt, dass es möglich ist, mit
WEP übertragene Pakete beliebig zu manipulieren, ohne dass dies dem
Empfänger auffällt.

Dabei wird eine besondere Eigenschaft der CRC-Prüfsumme ausgenutzt:
\begin{eigenschaft}
  \label{eig:crc_unkeyed}
  Die CRC Prüfsumme wird ohne Verwendung eines Schlüssels berechnet.
\end{eigenschaft}
Dies ermöglicht jeder beliebigen Person, ohne Kenntnis des WEP-Schlüssels
korrekte Prüfsummen für jede beliebige Nachricht zu erzeugen. Diese
Nachrichten müssen nun nur noch in das drahtlose Netzwerk eingebracht
werden. Dazu eröffnen sich zwei Wege.

Der erste führt über die Manipulation abgefangener Nachrichten. Dies erfolgt
unter Ausnutzung einer weiteren besonderen Eigenschaft der CRC Prüfsumme:
\begin{eigenschaft}
  \label{eig:crc_linear}
  Die CRC Prüfsumme ist linear, es gilt also: $c(x_1) \oplus c(x_2) = c(x_1
  \oplus x_2)$ für jedes Paar $x_1$, $x_2$.
\end{eigenschaft}

Bei einer beliebigen übertragenen Nachricht $A = v \circ C$ gilt (Gleichung
\ref{eq:wep_chiffered_frame}):
$$C = RC4(v \circ K) \oplus (M \circ c(M))$$
Es ist nun möglich, eine neue Nachricht $M'$ zu erzeugen. Danach gilt:
$$C' = RC4(v \circ K) \oplus (M' \circ c(M'))$$
$M'$ wird dabei als XOR-Verknüpfung der originalen Nachricht $M$ und einer
beliebig wählbaren Abweichung $\Delta$ gebildet. Um den neuen Chiffretext
$C'$ zu erhalten, berechnet man einfach:
\begin{eqnarray*}
  C' = C \oplus (\Delta \circ c(\Delta))
\end{eqnarray*}
Um zu zeigen, dass diese Gleichung korrekt ist, löst man den rechten Teil
der Gleichung auf:
\begin{eqnarray}
  C' &=& RC4(v \circ K) \oplus ((M \circ c(M)) \oplus (\Delta \circ c(\Delta)) \notag\\
  &=& RC4(v \circ K) \oplus ((M \oplus \Delta) \circ (c(M) \oplus c(\Delta)) \notag\\
  \label{eq:exploit_crc_linear}
  &=& RC4(v \circ K) \oplus (M' \circ (c(M) \oplus c(\Delta)) \\
  &=& RC4(v \circ K) \oplus (M' \circ c(M')) \notag
\end{eqnarray}
In Gleichung \ref{eq:exploit_crc_linear} wird die Prüfsumme der
manipulierten Nachricht $M'$ berechnet. Dazu werden die Prüfsummen der
Abweichung $\Delta$ sowie der Originalnachricht $M$ verknüpft. Gemäß der
Eigenschaft \ref{eig:crc_linear} ergibt dies die Prüfsumme der manipulierten
Nachricht $M'$.

Bemerkenswert ist, dass für diese Manipulation weder die Kenntnis der
Nachricht $M$ noch des Schlüsselstroms $RC4(v \circ K)$ notwendig ist!

Der zweite Weg ermöglicht ebenfalls das Einschleusen beliebiger Nachrichten.
Diesmal kann die Nachricht ohne den Umweg über eine Abweichung $\Delta$
direkt erzeugt werden. Dazu ist allerdings die Kenntnis des Schlüsselstroms
$RC4(v \circ K)$ (aber nicht des Schlüssels $K$) nötig. Den Schlüsselstrom erhält
man, wenn man den Klartext $P$ einer Nachricht mit dem Chiffretext $C$
verknüpft:
\begin{eqnarray*}
  P \oplus C = P \oplus ( P \oplus RC4(v \circ K) ) = RC4(v \circ K)
\end{eqnarray*}
Problematisch ist natürlich, dass die Kenntnis des Klartextes $P$
erforderlich ist, um diese Operation durchzuführen. In der Praxis ist dies
jedoch leichter als es scheint. Ein Angreifer könnte beispielsweise dem
Opfer eine E-Mail senden und darauf warten, dass diese über das drahtlose
Netzwerk abgerufen wird. Dann ist er in der Lage den Schlüsselstrom zu
rekonstruieren.

Mit diesem Schlüsselstrom kann er dann beliebige Nachrichten erzeugen und in
das Netzwerk einschleusen:
$$ C' = RC4(v \circ K) \oplus (M' \circ c(M'))$$

\subsubsection{Die FMS-Attacke -- Eine Schwäche in RC4}
\label{sec:rc4_weak}

\nocite{fluhrer01:_weakn_key_sched_algor_rc4}
\nocite{fluhrer01:_attac_rc4_wep}

Der Key-Scheduling Algorithm (KSA) ist der erste Teil des RC4 Algorithmus,
welcher eine geheime, interne Menge (S-Box) erzeugt. Aus dieser Menge
entnimmt der Pseudo Random Number Generator (PRNG) später die
Pseudozufallszahlen zur Verschlüsselung des Klartextes. Für eine
detaillierte Darstellung des Algorithmus sei auf den Anhang \ref{sec:rc4}
verwiesen.

Die Schwäche besteht darin, dass sich aufgrund des relativ einfachen Aufbaus
des KSA unter bestimmten Bedingungen Rückschlüsse über die Bytes des
Schlüssels ziehen lassen. Sind diese Bedingungen eingetreten, so wird der
Zustand des RC4 Algorithmus als \textit{resolved} (aufgelöst) bezeichnet.

Um nun die Schlüsselbytes zu berechnen, ist das Wissen um einige
Bestandteile des RC4 Algorithmus nötig. Zum einen benötigt der Angreifer
Kenntnis der ersten Bytes des Schlüssels. Zwei Eigenschaften des WEP
Protokolls sorgen dafür, dass der Angreifer diese auch erhält:
\begin{eigenschaft}
  \label{eg:wep_iv+key}
  Der eigentliche Schlüssel wird durch eine Konkatenation aus dem IV und dem
  geheimen WEP-Schlüssel\footnote{Dies ist der Schlüssel, welchen der Nutzer
    in der Konfigurationsoberfläche der WLAN-Hardware eingibt.} gebildet.
\end{eigenschaft}
\begin{eigenschaft}
  \label{eq:wep_iv_known}
  Der IV wird der chiffrierten Nachricht im Klartext vorangestellt. Er ist
  also auch dem Angreifer bekannt.
\end{eigenschaft}
Dem Angreifer sind also bedingt durch diese beiden Eigenschaften die ersten
3 Byte (24 Bit) des Schlüssels bekannt. Allerdings ist nur eine bestimmte
Menge an schwachen Schlüsseln betroffen (\textit{x-good keys}). Es ist also
die Kenntnis eines IVs notwendig, der zu so einem schwachen Schlüssel führt.

Zum anderen benötigt der Angreifer das erste Byte $z$ der Ausgabe des PRNG. An
dieses zu gelangen ist bereits schwieriger, da der Angreifer nur das Byte $c_1$
des Chiffretextes $C$ abfangen kann. Um an $z$ zu gelangen, müsste das erste
Byte $p_1$ des Klartextes $P$ ebenfalls bekannt sein:
\begin{eqnarray*}
  c_1 &=& p_1 \oplus z \\
  \Rightarrow z &=& c_1 \oplus p_1
\end{eqnarray*}
WEP macht dem Angreifer jedoch auch hier das Leben leicht. Das erste
Klartextbyte ist nämlich immer exakt gleich, wenn das WLAN IP
\cite{81:_rfc791, 98:_rfc2460} oder ARP \cite{82:_rfc826} Verkehr
transportiert \cite{stubblefield01:_using_fsm_attac}. Da diese beiden
Protokolle in modernen Netzen grundlegend sind, ist dies fast immer der
Fall; das erste Byte des Klartextes ist also immer bekannt. Nun ist es keine
große Schwierigkeit, $z$ zu berechnen.

Mit diesen Informationen versucht man nun, dass nächste Byte des Schlüssels
zu "`erraten"'. Dazu vollzieht man die Arbeit des KSA solange nach, wie es
mit der vorhandenen Information möglich ist, und erhält so einen bestimmten
Zustand der S-Box. Nun nimmt man einfach an, dass das Ausgabebyte $x$ aus
einem bekannten Feld der S-Box kommt. Durch diese Vermutung erhält man nun
alle nötigen Parameter, um das nächste Byte des Schlüssels zu berechnen.
Allerdings ist die Annahme und folglich auch die Berechnung nicht
notwendigerweise korrekt, da sowohl der KSA als auch der PRNG die S-Box im
späteren Verlauf des Algorithmus noch verändern und das Ergebnis somit
verfälschen könnten. Interessant ist jedoch, dass mit einer
Wahrscheinlichkeit von $5\%$ \cite[Seite
11]{fluhrer01:_weakn_key_sched_algor_rc4} weder der KSA noch der PRNG die
bekannten Felder der S-Box verändern.

Diese Eigenschaft ermöglicht es, eine Art "`Abstimmung"' durchzuführen. Dazu
sammelt man eine gewisse Anzahl an Nachrichten, die mit einem der benötigten
Schlüssel chiffriert wurden und führt die obigen Berechnungen für jede
Nachricht durch. Jede Nachricht "`stimmt"' dann quasi für einen bestimmten
Wert ab. Eine beispielhafte "`Stimmen"'-Verteilung ist in Abbildung
\ref{fig:fms-distribution} zu sehen. Der "`Sieger"' dieser Abstimmung (im
Beispiel das Byte mit dem Wert $19$) ist dann das gesuchte Schlüsselbyte.
Eine Untersuchung von 60 Nachrichten reicht aus, um den Sieger mit einer
Wahrscheinlichkeit von mehr als $50\%$ \cite[Seite
11]{fluhrer01:_weakn_key_sched_algor_rc4} korrekt zu bestimmen.

\begin{figure}[h]
  \centering
  \includegraphics[width=14cm]{../pics/FMS-Distribution.png}
  \caption{Ein beispielhaftes Ergebnis einer FMS-Attacke (Sebastian Wiesner,
    2007)}
  \label{fig:fms-distribution}
\end{figure}

Hat man nun ein weiteres Schlüsselbyte "`erraten"', so zählt man dieses zum
bereits bekannten Schlüsselteil dazu und beginnt von vorne. Auf diese Weise
kann man Schritt für Schritt den gesamten Schlüssel rekonstruieren.

Um diese Schwachstelle auszunutzen, muss man allerdings viele Nachrichten
abfangen, um eine ausreichende Anzahl an passenden Initialisierungsvektoren
zu erlangen. Die Anzahl der benötigten Pakete wurde zunächst etwa vier
Millionen geschätzt \cite[Seite 8]{fluhrer01:_attac_rc4_wep}, in der Praxis
erwies sich eine Anzahl von fünf bis sechs Millionen Paketen als
erforderlich \cite{stubblefield01:_using_fsm_attac}.

\subsection{Schlussfolgerung}

Die im vorigen Abschnitt besprochene Schwäche im RC4 Algorithmus führt dazu,
dass WEP in halbwegs ausgelasteten Netzwerken innerhalb einiger Stunden
vollständig aufgebrochen werden kann, wobei das Sammeln der benötigten
Nachrichten die meiste Zeit benötigt. Das Berechnen der Schlüsselbytes
selbst ist auf modernen Computern eine Sache von Sekunden.

Kombiniert man diesen Angriff mit der in Abschnitt \ref{sec:pruefsumme}
erläuterten Möglichkeit, beliebige Pakete in das Netzwerk einzuschleusen,
kann man auch mäßig bis schwach ausgelastete Netzwerke in annehmbarer Zeit
brechen. Die dazu benötigten Pakete erzeugt der Angreifer einfach selbst.

Zusätzlich wurden weitere Verbesserungen an der eigentlichen Attacke
vorgenommen. Durch die KoreK-Attacke \cite{05:_wep_wall} kann jedes
beliebige Datenpaket zum Kna\-cken verwendet werden, anstatt nur auf mit
bestimmten Schlüsseln chiffrierte Pakete zurückzugreifen. So sind wesentlich
weniger Pakete (zwischen 250.000 und 500.000 verschiedene
Initialisierungsvektoren) für einen erfolgreichen Angriff nötig.

Diese Erkenntnissen zeigen, dass WEP weder die Geheimhaltungs- noch die
Authentizitätsforderung (vgl. Abschnitt \ref{sec:kryptosysteme}) erfüllt.
Es bietet also keinerlei Sicherheit mehr. Glücklicherweise gibt es
Alternativen zum Schutz eines WLANs. Der "`inoffizielle"' Nachfolger des WEP
Protokolls, das WPA Protokoll, ist eine davon.

\section{WiFi-Protected Access (WPA)}
\label{sec:wpa}

\nocite{wi_fi_protec_acces} \nocite{arnold04:_jenseit_wep} Nach dem WEP
gebrochen war, bestand die Notwendigkeit eines alternativen Protokolls zum
Schutz drahtloser Netzwerke.  Die Verabschiedung des nächsten Standards IEEE
802.11i \cite{04:_ieee802.11i}, welcher neue Sicherheitsmaßenahmen
definierte, war allerdings noch nicht absehbar. Zudem war klar, dass dieser
Standard mit älteren WLAN-Geräten inkompatibel sein würde.  Angesichts
dieser Probleme schuf die Wi-Fi Alliance \cite{wi_fi_allian}, ein Konsortium
der führenden Hersteller von WLAN Hard- und Software, das \emph{WPA} (Wi-Fi
Protected Access Protokoll) Protokoll als "`inoffiziellen"' Nachfolger von
WEP. Dabei wurden einige der Ideen des neuen Standards aufgegriffen,
allerdings immer unter Berücksichtigung der Kompatibilität zu älteren
Geräten.

\subsection{Ablaufbeschreibung}
\begin{figure}[h]
  \centering
  \includegraphics[width=10cm]{../pics/WPA_block.png}
  \caption{Blockdiagramm der WPA Verschlüsselung (\cite[Seite
    216]{arnold04:_jenseit_wep})}
  \label{fig:wpablock}
\end{figure}

Man erkennt in Abbildung \ref{fig:wpablock}, dass die eigentliche
Verschlüsselung (grün markiert) noch immer unverändert ist. Wie auch in WEP
wird hier der Schlüsselstrom des RC4 Algorithmus mit dem Klartext
XOR-verknüpft.  Interessant sind jedoch die rot und blau markierten
Bestandteile des WPA Protokolls sowie der deutlich vergrößerte IV, dessen
Länge auf 48 Bit verdoppelt wurde.

Der blau markierte Teil zeigt die Änderungen bei der Berechnung der
Prüfsumme. Hier wird nun zusätzlich der eigens entwickelte Michael-MIC
(Message Integrity Check) eingesetzt. Die Besonderheit dieses Algorithmus
besteht darin, dass er einen eigenen Schlüssel $K_M$ zur Berechnung der
Prüfsumme verwendet.

Weitere Änderungen betreffen die Erzeugung des Seeds für den RC4
Algorithmus. Hier wird nun das Temporal Key Integrity Protocol (TKIP)
verwendet, um aus dem geheimen TKIP-Schlüssel einen temporären Schlüssel
abzuleiten, welcher zum Chiffrieren einzelner Nachrichten dient. Der
TKIP-Schlüssel wird dabei auch als PTK (Pair-Wise Transient Key) bezeichnet.
Die Kommunikationspartner handeln diesen PTK beim Verbinden mit dem
drahtlosen Netzwerk individuell aus. Als Basis dient dabei der sogenannte
PMK (Pair-Wise Master Key). Der PMK wiederrum wird aus einer Kombination
zwischen dem Namen des Netzwerks sowie des Passwortes, die der Anwender bei
der Konfiguration der WLAN-Hardware angegeben hat, berechnet.

Im Zuge dieses Protokolls werden zwei sogenannte Key-Mixing-Phasen
durchlaufen. Die erste Phase mischt den geheimen TKIP-Schlüssel und die
Hardware-Adresse des Senders mit einem 32 Bit langen Teilstück (Hi-Teil) des
IVs. Das Ergebnis dieser Operation wird nun in der zweiten Phase mit dem
übrig gebliebenen 16 Bit großen Teilstück (Lo-Teil) des IV vermischt. Daraus
resultiert der eigentliche Seed, welchen der RC4 Algorithmus nun für die
Erzeugung der Pseudozufallszahlen verwendet.

Diese Aufteilung geschieht, weil die erste Key-Mixing-Phase relativ
aufwändig ist. Da der Hi-Teil jedoch für ungefähr $65.000$ Nachrichten
konstant bleibt, muss die erste Phase nicht für jedes Paket durchgeführt
werden. Der Lo-Teil jedoch wird für jede Nachricht verändert. So ist
gewährleistet, dass jede Nachricht mit einem anderen Seed verschlüsselt
wird. Es findet also ein Kompromiss zwischen der rechenintensiven Einbindung
des TKIP-Schlüssels und der Variation des Seeds statt.

Da auch hier, wie bei WEP, der komplette IV (Lo- und Hi-Teil) zur
Entschlüsselung notwendig ist, wird er ebenfalls dem Chiffretext
unverschlüsselt vorrangestellt.

\subsection{Analyse der Sicherheit}

Bei der Sicherheit von WPA bietet sich ein weitaus besseres Bild. Die
Schwäche der Prüfsumme (Abschnitt \ref{sec:pruefsumme}) durch die Verwendung
des Michael-Algorithmus verhindert. Da dieser Algorithmus einen eigenen
Schlüssel verwendet, kann ein Angreifer für manipulierte Nachrichten keine
korrekte Prüfsumme erzeugen. Das Einbringen manipulierter Nachrichten in das
Netzwerk fällt also sofort auf.

Auch die in Abschnitt \ref{sec:rc4_weak} vorgestellte Schwäche wird
erfolgreich beseitigt. Durch das aufwändige Key-Mixing ist sichergestellt,
dass sich der RC4-Schlüssel für jedes Paket ändert. Folglich nutzt dem
Angreifer die Kenntnis eines einzigen RC4-Schlüssels nichts mehr. Zudem ist
auch der Angriff selbst unmöglich geworden. Durch das Key-Mixing ist
sichergestellt, dass der Angreifer nicht länger Kenntnis der ersten
Schlüsselbytes erlangt. Das Wissen um die ersten Schlüsselbytes kann der
Angreifer auch nicht durch das Nachvollziehen des Key-Mixings erlangen.
Dazu wäre der geheimen TKIP-Schlüssel nötig, welchen der Angreifer nicht
besitzt. Somit ist eine wesentliche Bedingung für den Erfolg des Angriffes
nicht mehr gegeben.

\nocite{takahashi:_wpa_passiv_diction_attac_overv}
\nocite{04:_angrif_wpa}

Allerdings ist auch WPA nicht vor Angriffen gefeit. WPA leidet an einer
prinzipiellen Schwäche aller Passwort-basierten Verfahren: Ist das Passwort
zu kurz, so kann der Angreifer dieses durch einen Brute-Force-Angriff
einfach erraten. Dabei braucht der Angreifer in der Regel noch nicht einmal
jede mögliche Zeichenkombination durchzuprobieren, da viele Nutzer einfache
Passwörter wie Geburtstage oder Namen berühmter Persönlichkeiten wählen. Es
reicht also, wenn der Angreifer eine Liste mit wahrscheinlichen Passwörtern
anlegt und diese dann als Basis für einen Brute-Force-Angriff nutzt. Einen
auf diese Weise verbesserten Brute-Force-Angriff nennt man
\textbf{Wörterbuchattacke}. Die Erfolgschancen eines derartigen Angriffes
sind wegen der Nachlässigkeit der meisten Nutzer sogar relativ hoch.

Angesichts dieser Gefahr wurde die minimale Länge der Passphrase in WPA auf
8 Zeichen festgelegt. Dies reicht heute allerdings nicht mehr aus, weshalb
die Wi-Fi Alliance ein Minimum von 20 Zeichen empfiehlt. Auch sollte das
Passwort eine möglichst zufällige Zeichenfolge sein, um Wörterbuchattacken
zu erschweren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass WPA die Schwächen von WEP erfolgreich
beseitigt. Die Gefahr eines Wörterbuch- oder Brute-Force-Angriffes ist zwar
prinzipiell gegeben, lässt sich allerdings durch die Wahl eines entsprechend
sicheren Passwortes leicht vermeiden.

\section{Ausblick auf WPA2}

WPA ist zwar (noch) sicher, allerdings nicht standardisiert. Es handelte
sich vielmehr um eine Art Zwischenlösung bis zur Einführungen des nächsten
WLAN-Standards. Dieser kam im Jahr 2004 unter dem Namen IEEE 802.111i
\cite{04:_ieee802.11i} und definiert mit AES-CCM eine neues Protokoll zur
Sicherung drahtloser Netzwerke. Von der Wi-Fi Alliance erhielt es den
einprägsamen Namen WPA2.

Der Name des Protokoll deutet bereits an, dass es auf dem AES Algorithmus
basiert. Dieser Algorithmus wurde im Rahmen eines öffentlichen Wettbewerbs
des NIST (National Institute for Standards in Technology) nach dem Modell
der starken Kryptographie entwickelt und im Jahr 2001 unter dem Namen FIPS
197 offiziell zum Standard-Algorithmus für Regierungsinstitutionen der USA
ernannt \cite{01:_announ_advan_encry_stand_aes}.

Trotz des hochwertigen Charakters dieses Protokolls ist nicht zu erwarten,
dass WPA2 in den nächsten Jahren außerhalb von Firmen und
Regierungsorganisationen weite Verbreitung finden wird. AES-CCM ist mit
älterer WLAN-Hardware nicht kompatibel und würde somit somit den Austauschen
aller am WLAN beteiligter Hardware-Komponenten erfordern. Da WPA selbst
bisher noch nicht gebrochen wurde, stellt sich hier die Frage der
Verhältnismäßigkeit gerade für den privaten Nutzer.

Mit WPA2 wird die Sicherung drahtloser Netze erstmals auf die bewähr\-ten
Grundlagen der starken Kryptographie gestellt. Nach Karl Valentin gilt zwar
immer noch, dass nichts sicher ist. Dennoch ist mit WPA bis auf weiteres und
mit WPA2 auch mittelfristig der weitgehend sichere Betrieb von drahtlosen
Netzwerken gewährleistet.

\newpage
\appendix

\section{Der RC4 Algorithmus}
\label{sec:rc4}
\nocite{rc4, rc4_page, fluhrer01:_weakn_key_sched_algor_rc4} RC4 wurde 1987
von Ron Rivest im Auftrag des Unternehmens RSA Security Inc. entwickelt. Er
galt als Firmengeheimnis, bis er 1994 anonym auf der Cypherpunks
Mailingsliste veröffentlicht wurde \cite{94:_thank_bob_ander}. Heute ist der
Algorithmus einer der meistgenutzten Stromchiffren und wird unter anderem
auch im SSL Protokoll verwendet, um Übertragungen im Internet zu schützen.

RC4 läuft in zwei Schritten ab. Zuerst wird im Key-Scheduling Algorithm
(KSA) eine geheime, internen Menge (S-Box) $S$ erzeugt, welche normalerweise
eine Länge von $N = 2^8 = 256$ hat. Jedes Element dieser Menge enthält dabei
ein Byte. Die Ausführung des KSA ist für einen bestimmten Schlüssel $K$ nur
ein einziges Mal notwendig. Die eigentlichen Pseudozufallszahlen werden dann
mittels des Pseudo Random Number Generator (PRNG) auf Basis der S-Box
berechnet.

\subsection{Der Key-Scheduling Algorithm}
\label{sec:ksa}
Der KSA berechnet die S-Box auf Basis des Schlüssels, indem er sie zuerst
mit $S = \{0, \ldots, 255\}$ initialisiert und dann jedes Element durch ein
mit Hilfe des Schlüssels ausgewähltes Element ersetzt.

Zuerst wird die S-Box einfach initialisert:
\begin{eqnarray*}
  S &=& \{0, \ldots, 255\}
\end{eqnarray*}

Im folgenden wird sie nun quasi-zufällig "`durcheinandergewürfelt"'. $l$ sei
die Länge des Schlüssels $K$ in Byte. Für jeden Index $i$ in $S$ wird nun
folgendes durchgeführt:
\begin{eqnarray}
  \label{eq:calc_j}
  j &=& j + S[i] + K[i\text{ mod }l]\\
  S[i] &\leftrightarrow& S[j] \notag
\end{eqnarray}
Zu beachten ist hier noch, dass in Gleichung \ref{eq:calc_j} keine einzelnen
Schlüsselbits verwendet werden, sondern immer ein ganzes Byte. Deswegen ist
auch die modulare Division $i\text{ mod }l$ notwendig. Für den
wahrscheinlichen Fall, dass der Schlüssel kürzer ist als die S-Box, wird so
garantiert, dass der Index immer innerhalb der Schlüssellänge (in Byte)
liegt. Hat der Schlüssel beispielsweise die Länge 40 Bits, also 5 Byte, so
würde der Zugriff auf ein Schlüsselbyte nicht mehr möglich sein, sobald $i =
6$ gilt. Durch die modulare Division wird der Index wieder an die
Schlüssellänge angeglichen: $6\text{ mod } 5 = 1$. Der Zugriff auf den
Schlüssel erfolgt also wieder beim ersten Byte.

\subsection{Der Pseudo Random Number Generator}
\label{sec:prng}

Die zweite Operation liefert auf Basis der durch den KSA erzeugten S-Box
eine Folge von Pseudozufallszahlen. Dabei werden zwei Zähler $i$ und $j$ mit
$0$ intialisiert. Um nun die nächste Pseudozufallszahl $z$ zu erzeugen, wird
folgendes durchgeführt:
\begin{eqnarray}
  i = i + 1 \notag \\
  j = j + S[i] \notag \\
  \label{eq:swapping}
  S[i] \leftrightarrow S[j] \\
  \label{eq:prn_output}
  t = S[i] + S[j] \\
  z = S[t] \notag
\end{eqnarray}
Zuerst werden die beiden Zähler berechnet. Dabei ist zu beachten, dass diese
nach der Ausgabe einer Zahl nicht neu initialisiert werden. Es wird also
immer mit den Werten der vorherigen Operation weitergerechnet. Nach der
Änderung der Zähler werden in Gleichung \ref{eq:swapping} zwei Elemente der
S-Box vertauscht. Dadurch wird gewährleistet, dass sich die S-Box während
der Laufzeit des Algorithmus ändert. Nun kann in Gleichung
\ref{eq:prn_output} die Zufallszahl berechnet werden. Dazu werden die Werte
zweier Elemente der S-Box zu einem neuem Index $t$ addiert. Das Element des
S-Box, welches an diesem Index liegt, wird dann als Pseudozufallszahl
ausgegeben.  Überschreitet $i$ die Länge der S-Box, so werden $i$ und $j$
erneut mit $0$ initialisiert.

Nun erklärt sich auch die Notwendigkeit der Tauschoperation in Gleichung
\ref{eq:swapping}. Würde diese nämlich entfallen, so bliebe die S-Box
konstant. Dadurch würde der PRNG für jeden kompletten Durchlauf der S-Box
(bis zur erneuten Initialisierung von $i$) exakt die selbe Folge liefern.
Bei einer S-Box Länge von 256 Byte wäre also jede 256ste Zahl immer gleich.

\newpage

\bibliographystyle{alphadin}
\bibliography{sources}

\newpage

\begin{center}
  {\large \textsf{\textbf{Erklärung}}}
\end{center}

Ich erkläre hiermit, dass ich die Facharbeit ohne fremde Hilfe angefertigt
und nur die im Literaturverzeichnis angeführten Quellen und Hilfsmittel
benützt habe.

Ich bin damit einverstanden, dass diese Facharbeit in der Lehrer- und
Kol\-le\-gi\-at\-en-Bücherei veröffentlicht wird.

\begin{flushleft}
  Gilching, den \today \\
\end{flushleft}

\vspace{0.3cm}

\begin{flushright}
  \rule{8cm}{0.5pt} \\
  \mbox{ {\small Unterschrift des Kollegiaten}}
\end{flushright}

\end{document}

